Leo Martin Schraudolf
- * 08 Nov 1941
- † 11 Mar 2025
Leo wurde am 08. November 1941 als drittes von neun Kindern von Josef und Josefa Schraudolf geboren. Während der Nachkriegszeit erlebte er eine glückliche Kindheit in der Rechbergstraße im Oberen Markt. 1964 heiratete er seine Frau Ursula, geborene Schedler, mit der er zunächst im Blattnerhaus in der Oststraße und später am Karatsbichl lebte. Aus der Ehe gingen die Kinder Claudia, Vinzenz und Karola Johanna hervor. Zudem freuten sich beide über sieben Enkelkinder und vier Urenkel (Stand 2025).
Beruf – nach Abschluss der Volksschule begann Leo mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Heizungsmonteur bei der Fa. Ausberger in Oberstdorf. Diesen Beruf übte er zeitlebens in Voll- oder Teilzeit bei verschiedenen Oberstdorfer Firmen aus.
Gästehaus und Landwirtschaft – Leo und Ursula übernahmen 1969 die kleine Landwirtschaft der Familie Schedler am Karatsbichl mit anfangs 2 Kühen und Jungvieh. Gleichzeitig bauten sie eine Gästevermietung auf. Beide Betriebe wurden stets an die jeweilige Zeit angepasst und heute von seinem Sohn Vinzenz mit Familie geführt. Das Wohl der Tiere und eine artgerechte Haltung waren Leo dabei sehr wichtig.
Land- und Alpwirtschaft – in diesem Bereich brachte sich Leo mit großem Engagement ehrenamtlich ein. Bereits als Kind verbrachte er den Sommer auf Betrieben der Verwandtschaft. Später half er bei den Gassenkühen mit und wurde als Kleinhirte auf die Alpen Mädele und Söller geschickt. Er war 12 Jahre lang Alpmeister der Alpe Haldenwang im Rappenalptal und lange Jahre übte er die gleiche Funktion auf der Alpe Söller aus. 34 Jahre engagierte er sich in der Vorstandschaft der Bergviehversicherung, bei der er im Schadensfall u.a. als Viehschätzer tätig war. In dieser Zeit war er auch an der Entwicklung eines Bergetaus beteiligt, mit dem verletzte Tiere per Hubschrauber aus dem Hochgebirge ins Tal gebracht werden konnten. Viele Jahre saß er im Ausschuss der Rechtler.
Skisport – Leo lernte in einer skibegeisterten Familie schon in jungen Jahren das Skifahren. Beim Skiclub Oberstdorf nahm er an zahlreichen Mannschaftsrennen und Meisterschaften teil. Insgesamt wurde er 11 Mal Clubmeister der 4er-Kombination, die aus Slalom, Riesenslalom, Skilanglauf und Skispringen bestand. Leo meisterte als Langläufer mehrere Volksläufe, darunter den Wasalauf in Schweden. Später entdeckte und förderte er als Jungendtrainer und Schulskilehrer viele Talente. Darunter war mit Hansjörg Tauscher auch ein späterer alpiner Abfahrtsweltmeister. Bis zuletzt betreute er die Skirollerbahn im Langlaufstadion Ried, um den Skilangläufern der Region beste Sommertrainingsbedingungen zu gewähren.
Jugendcup – gemeinsam mit Oskar Fischer zählte Leo zu den Gründungsmitgliedern des Jugendcups der Internationalen Skizentren, der 1965 in Lausanne gegründet wurde. 1966 fand die erste Auflage dieser Veranstaltung in Madesimo/Italien statt. Seither treffen sich jährlich die alpinen Nachwuchsathleten aus Saas-Fee/Schweiz, Madesimo, Courchevel/Frankreich, Schruns/Österreich und Oberstdorf/Oberallgäu, um den Mannschaftssieger aus Slalom und Riesenslalom zu ermitteln. Als Mitbegründer und Ehrengast nahm er zuletzt im Spätwinter 2024 in Courchevel/Frankreich an der Veranstaltung teil.
Skilehrwesen – Leos Schwiegervater, Hermann Schedler, ermöglichte ihm im Winter am Karatsbichl-Skilift zu arbeiten und als Skilehrer tätig zu werden. Schon im Winter 1964 belegte er den ersten Skilehrerlehrgang und absolvierte später die Staatliche Ski- und Skilanglauflehrerprüfung. Nach der Prüfung wurde Leo schon bald in das Ausbilderteam des DSLV (Deutscher Skilehrerverband) berufen und es dauerte nicht lange, bis er auch Mitglied der Prüfungskommission der TU München wurde, die traditionell am Nebelhorn die Skilehrerprüfung durchführte. Sein herausragendes skifahrerisches Können – er war besonders für seinen Kurzschwung bekannt – durfte er in Folge dann auch international unter Beweis stellen. Er war Mitglied der „Deutschen Vorführmannschaft“ und vertrat auf mehreren Skiweltkongressen die deutschen Farben. Er reiste dazu in die USA, nach Japan, Schweden, in die Tschechoslowakei, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich.
Mit eigenen Vorbereitungskursen auf die Lehrgänge und Prüfungen half Leo mit seiner direkten und konsequenten Art vielen Anwärtern auf dem Weg zur erfolgreichen Prüfung. Die Teilnehmer der Kurse wohnten oft im eigenen Gästehaus. Er leitete viele Jahre lang die „Erste Skischule Oberstdorf“ und übte den Beruf 51 Jahre lang aus – am Freitag, 21. Februar 2025 hielt er bei schönstem Winterwetter am Fellhorn seinen letzten Skikurs.
Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf – Leo war schon in Jugendjahren Mitglieder der Historischen Trachtengruppe des Vereins. Über Jahrzehnte war er Mitglied der Wilde-Mändle-Tanzgruppe. Mit Leidenschaft und viel Stolz übte er dieses Amt aus, zuerst als aktiver Tänzer, später hat er als Vortänzer vielen „Wilde Mändle“ den richtigen Schritt gezeigt. Als Not am Mann war, half er im Verein übergangsweise auch als 2. Vorstand aus. Der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein hatte ihn in den Ältestenrat berufen.
Familie – das Wichtigste in seinem Leben aber war die immer größer werdende Familie, für die er sich immer Zeit genommen hat und mit Rat und Tat in jeder Lebenslage zur Verfügung stand. Größte Freude hatte er, wenn er mit Kindern und Enkeln lebhaft diskutieren konnte.